Ratgeber · von Sander Valkonet · Stand 23.10.2026
Starkregen und Sturzfluten
Bei Gewittern fällt manchmal in einer Stunde so viel Regen wie sonst in mehreren Wochen. Die Kanalisation kann diese Mengen nicht aufnehmen: Straßen, Unterführungen und Keller laufen innerhalb von Minuten voll.
Ab wann spricht man von Starkregen?
Der Deutsche Wetterdienst warnt vor Starkregen ab etwa 15 bis 25 Litern pro Quadratmeter in einer Stunde, vor heftigem Starkregen ab 25 bis 40 Litern und vor extrem heftigem Starkregen bei mehr als 40 Litern pro Quadratmeter in einer Stunde. Ein Liter pro Quadratmeter entspricht einem Millimeter Niederschlag. Zum Vergleich: In vielen Orten Deutschlands fallen im ganzen Juli im Mittel etwa 70 bis 100 Liter pro Quadratmeter.
Im Regenradar zeigt sich Starkregen als roter oder violetter Kern. Bleibt eine solche Zelle lange am selben Ort, weil sie kaum zieht oder immer neue Zellen über dieselbe Stelle laufen, wird es kritisch. Die Farben erklärt Radarfarben.
Wie entsteht Starkregen bei Gewittern?
Ein Gewitter saugt im Aufwind große Mengen feuchter Luft an und lässt den Wasserdampf in wenigen Kilometern Höhe kondensieren. Das Wasser fällt dann gebündelt auf eine kleine Fläche. Besonders gefährlich wird es in drei Situationen: wenn ein Gewitter kaum zieht, weil in der Höhe wenig Wind weht; wenn immer neue Zellen über dieselbe Stelle laufen, wie Waggons eines Zuges (Training); und wenn die Luft extrem feucht ist, etwa nach mehreren schwülen Tagen. Dann können örtlich in wenigen Stunden über 100 Liter pro Quadratmeter fallen, während es im Nachbarort trocken bleibt.
Weil Starkregen so eng begrenzt ist, lässt sich der genaue Ort kaum vorhersagen. Warnungen gelten deshalb für größere Gebiete. Wer im Radar sieht, dass eine kräftige Zelle über dem eigenen Ort stehen bleibt, hat oft nur wenige Minuten Vorsprung.
Warum Starkregen so gefährlich ist
- Sturzfluten: Kleine Bäche schwellen in kurzer Zeit zu reißenden Strömen an, besonders in Tälern und an Hängen.
- Überflutete Unterführungen und Tiefgaragen: Schon 30 Zentimeter fließendes Wasser können ein Auto aufschwimmen lassen.
- Volllaufende Keller: Wasser drückt durch Lichtschächte, Türen und aus der Kanalisation (Rückstau).
- Hangrutsche und Schlamm: In hügeligem Gelände spült der Regen Erde und Geröll auf Straßen und in Häuser.
Verhalten bei Starkregen
- Geh nicht in den Keller oder in eine Tiefgarage, wenn Wasser eindringt. Strömendes Wasser kann Türen blockieren, und es droht Stromschlag.
- Fahre nie durch überflutete Straßen oder Unterführungen, deren Wassertiefe du nicht kennst.
- Halte Abstand zu Bächen, Flüssen und Gräben; die Uferböschung kann nachgeben.
- Schalte bei Wasser im Haus den Strom für betroffene Räume ab, wenn du den Sicherungskasten gefahrlos erreichst.
- Bring wichtige Dokumente, Medikamente und Wertsachen in obere Stockwerke.
- Ruf bei Gefahr für Menschen sofort 112.
Das Haus vorbereiten
- Rückstausicherung: Eine Rückstauklappe oder Hebeanlage verhindert, dass Wasser aus der Kanalisation über Bodenabläufe, Duschen und Toiletten im Keller zurückdrückt. Sie sollte regelmäßig gewartet werden.
- Lichtschächte und Kellertüren: Aufkantungen, dichte Abdeckungen und Schwellen halten Oberflächenwasser fern.
- Gelände: Das Grundstück sollte vom Haus weg abfallen. Prüfe, wohin das Wasser bei Starkregen fließt; viele Kommunen bieten Starkregen-Gefahrenkarten an.
- Keller nutzen mit Bedacht: Elektrogeräte, Heizungsteile und wertvolle Dinge möglichst erhöht aufstellen.
- Dachrinnen und Abläufe frei von Laub und Hagel halten.
Versicherung
Schäden durch Starkregen und Überschwemmung sind in Deutschland in der normalen Wohngebäude- und Hausratversicherung meist nicht enthalten. Dafür braucht es den Zusatzbaustein Elementarschadenversicherung. Für Autos deckt die Teilkasko in der Regel Überschwemmungsschäden ab, nicht aber, wenn man bewusst in eine überflutete Straße fährt. Die genauen Bedingungen stehen im Vertrag.
Nach dem Starkregen
Wasser im Keller erst abpumpen, wenn der Pegel draußen gesunken ist, sonst kann der Grundwasserdruck Wände und Böden beschädigen. Schäden fotografieren, Belege sammeln und die Versicherung informieren. Feuchte Räume gut lüften und trocknen, damit sich kein Schimmel bildet.
Unwetterwarnung: die Warnstufen · Hagel · Regenradar
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Diese Hinweise ersetzen keine amtlichen Warnungen. Maßgeblich sind die Warnungen von DWD, GeoSphere Austria und MeteoSchweiz.