Ratgeber · von Sander Valkonet · Stand 23.10.2026
Gewitter unterwegs: Auto, Fahrrad, Wandern und Camping
Die meisten Blitzunfälle passieren nicht im Haus, sondern draußen: beim Wandern, auf dem Fahrrad, auf dem Golfplatz oder am Wasser. Mit ein paar Regeln lässt sich das Risiko stark senken.
Im Auto
Ein Auto mit Metallkarosserie ist bei Gewitter ein guter Schutzraum. Die Karosserie wirkt wie ein Faradayscher Käfig und leitet den Strom außen herum in den Boden, nicht die Reifen schützen dich, wie oft behauptet wird. Schließ die Fenster, fass keine Metallteile an der Innenseite an und bleib sitzen. Cabrios mit Stoffverdeck und Fahrzeuge mit Kunststoffkarosserie schützen nicht.
Fahren ist bei Gewitter vor allem wegen Starkregen, Hagel und Sturmböen gefährlich: Die Sicht sinkt schlagartig, es droht Aquaplaning, und Äste oder Bäume können auf die Straße fallen. Fahr langsamer, halte mehr Abstand, und wenn es nicht mehr geht, halte auf einem Parkplatz an, nicht unter Bäumen und nicht auf dem Seitenstreifen.
Auf dem Fahrrad und Motorrad
Auf dem Rad oder Motorrad bist du ungeschützt. Bei Donner solltest du absteigen und Schutz in einem Gebäude, einer Unterführung mit festem Dach oder notfalls in einem Auto suchen. Steht nichts zur Verfügung, leg das Rad einige Meter entfernt ab und geh in einer Senke in die Hocke, die Füße eng zusammen. Fahr nicht weiter über freie Felder, um „noch schnell“ nach Hause zu kommen.
Beim Wandern und in den Bergen
- Plane Touren an Gewittertagen so, dass du am frühen Nachmittag wieder im Tal oder in einer Hütte bist. Wärmegewitter entstehen in den Bergen oft schon ab Mittag.
- Behalte die Wolken im Blick: Quellwolken, die bis zum späten Vormittag stark in die Höhe wachsen, sind ein Warnsignal.
- Verlass beim ersten Donner Gipfel, Grate und Klettersteige. Lass Drahtseile los und halte Abstand zu Gipfelkreuzen.
- Eine Höhle oder ein Felsüberhang schützt nur, wenn er groß genug ist, dass du mindestens einen Meter Abstand zu Wand und Decke hast.
Beim Camping
Ein Zelt bietet keinen Schutz vor Blitzen, und die Stangen aus Metall ändern daran nichts. Bei Gewitter solltest du ins Auto, in ein Sanitärgebäude oder ein anderes festes Gebäude gehen. Ein Wohnmobil oder Wohnwagen mit Metallaufbau schützt ähnlich wie ein Auto; bei Aufbauten aus Kunststoff oder Holz ist der Schutz deutlich geringer. Stelle das Zelt nicht unter einzelnen Bäumen auf, auch wegen herabfallender Äste bei Sturmböen.
Am und auf dem Wasser
Schwimmer, Paddler und Segler ragen auf dem Wasser als höchster Punkt heraus. Verlass das Wasser beim ersten Donner und geh vom Strand weg in ein Gebäude oder Auto. An vielen Seen in Süddeutschland, Österreich und der Schweiz warnen orange Blinklichter am Ufer: 40 Blitze pro Minute bedeuten Vorwarnung, 90 pro Minute Sturmwarnung.
Bei der Arbeit im Freien
Wer auf Baustellen, in der Landwirtschaft oder im Garten- und Landschaftsbau arbeitet, ist bei Gewitter besonders gefährdet. Kräne, Gerüste und hohe Maschinen ziehen Blitze an. Arbeitgeber sollten klare Regeln festlegen: Bei Donner die Arbeit unterbrechen, Kräne außer Betrieb nehmen und in Fahrzeugkabinen mit Metalldach oder feste Gebäude gehen. Traktoren und Baumaschinen mit geschlossener Metallkabine schützen ähnlich wie ein Auto, offene Fahrzeuge nicht.
Sport im Freien
Fußballplätze, Golfplätze und Tennisplätze sind bei Gewitter gefährlich, weil Menschen dort oft der höchste Punkt sind. Unterbrich Training und Spiel beim ersten Donner und warte 30 Minuten nach dem letzten. Unterstände ohne Blitzschutz und einzelne Bäume am Spielfeldrand sind keine sicheren Orte.
Die wichtigsten Regeln für unterwegs
- Vorher prüfen: Gewitterrisiko und Regenradar.
- Donner gehört? Dann bist du in Reichweite. Entfernung messen.
- Schutz suchen: Gebäude oder Auto mit Metalldach.
- Kein Schutz in der Nähe: Senke, Hocke, Füße zusammen, weg von Bäumen und Metall.
- 30 Minuten nach dem letzten Donner warten.
Weitere Ratgeber
- Wie entsteht ein Gewitter?
- Unwetterwarnung: Was bedeuten die Warnstufen?
- Hagel: Entstehung, Größen und Schutz
- Blitzschutz zu Hause
- Alle Ratgeber
Diese Hinweise ersetzen keine amtlichen Warnungen. Maßgeblich sind die Warnungen von DWD, GeoSphere Austria und MeteoSchweiz.